Strandgleiter! – Gin-Hochleister Tonkawa im Test
von Redaktion • 13.8.2009 • Kategorie: Traction • KITE & friends bestellen!
Eine ganze Zeit lang konnten wir die Entwicklung des Gin-Wettbewerbsschirms Tonkawa im Einsatz von Teampilot Pierre Alain Raynal beobachten. Seit diesem Jahr ist der Hochleister nun lieferbar und hat sofort Einzug in die deutsche Kitebuggy-Wettbewerbsszene gehalten. Klar, dass wir die Neuheit genauer unter die Lupe genommen haben.

Auch die großen Größen überraschen mit guter Flugstabilität am Windfensterrand



Im Gegenlicht wird der aufwändige Aufbau mit 36 Kammern und Diagonalprofilen an allen vier Waageebenen sichtbar

Der gestreckte Flügel wirkt mit dem größtenteils weißen Segel besonders vor blauem Hintergrund gut
In sieben Größen von 3.1 bis 15.4 Quadratmeter Fläche ist die Tonkawa erhältlich, was im Vergleich zu anderen Rennschirmen wenige sind, da die Konkurrenz in der Regel auf um die zehn Größen setzt. Ob eine derart enge Abstufung beim neuen Gin-Kite entbehrlich ist, wird sich später im Einsatz zeigen. Für den Mattensack und die Geldbörse ist die gröbere Abstufung jedenfalls ein Plus.
Leibesvisite
Erst einmal schauen wir der Tonkawa genauestens auf Kappe und Waage. Wer Gin für einen Exoten hält, dem muss ich vor Augen führen, dass die koreanische Firma eine der wegweisenden Produzenten von Gleitschirmen ist und in ihrer Näherei auch Hochleister anderer Anbieter mit höchsten Qualitätsansprüchen hergestellt werden. So konnte der für die Gin-Kites zuständige Entwickler Robert Graham auf die besten Zutaten zurückgreifen. Die feine Dyneemawaage ist daher auch gespleißt und vernäht. Auffällig ist die bereits von Grahams Depowerkites bekannte Waagekonstruktion, bei der das mittlere Profil der Kappe von einer von beiden Hauptleinen abgehenden Aufhängung separat gehalten wird.
Der gestreckte Aufbau mit der großen Zahl von 36 Kammern ist bei allen Größen vorzufinden. Dieser Aufbau mit seinen Diagonalprofilen ist aufgrund des großen weißen Segelbereichs im Gegenlicht wie mit einem Röntgenblick zu erkennen. Natürlich sind alle Segelteile aus hochwertigem Segeltuch komplett mit Double-Stitched-Nähten zusammengefügt. Auch gibt es ab der Größe 4.1 seitlich am Flügelende Dirt-Outs, welche mittels Tuchschlauch selbst im Flug offengehalten werden können. Leider gibt es keinen Entsandungskanal an der Endkante. Etwas kurios ist, dass die 3.1er-Tonkawa keine Dirt-Outs besitzt, wo dies doch die Größe ist, welche am ehesten bei Flugsand zum Einsatz kommen sollte, wenn sich sogar ein gut geparkter Kite langsam mit Sand füllt. Ein Grund mag die Anordnung von fünf Waagepunkten am Winglet sein, die bei nur noch knapp 30 Zentimeter Flügeltiefe zu eng aneinander sitzen, um Platz für ein Dirt-Out zu lassen. Ob diese Vielzahl an Waagepunkten wirklich nötig ist, möchten wir bei aller Genialität des Entwicklers infrage stellen, genau wie den Einsatz von Powerrings, durch welche die Bremswaage vor dem Auffächern umgelenkt werden kann, die aber von allen uns bekannten Werks-Teamfahrern für den Renneinsatz ausgebaut wurden.
Freilauf
Nun sollen die Tonkawas Wind ins Segel bekommen und ihren Job tun. Bei passenden Winden ist das Handling im Stand gut. Man kann die Kites dosiert in den Himmel ziehen und für einen Hochleister steht der Gin-Kite dort bemerkenswert stabil. Mäßig angepowert beschleunigt der Buggy eher gemächlich, was unter Zuhilfenahme der Bremsen deutlich verbessert werden kann. Da die „Tonkas“ für den Renneinsatz konstruiert sind, gehen wir gleich auf entsprechende Winde und Kurse. Obwohl der Kite nun von seiner Größe her gut angeknallt sein müsste, überrascht der große Wirkungsbereich der Bremsen. Werden diese locker gelassen, dann sind die Querkräfte minimal und man kann sowohl mit leichtem Bremszug an der verfügbaren Power nippen, als auch mit kräftigem Zug einen deutlichen Boost erfahren. So ist es möglich, auf schnellem Halbwindkurs ohne zu viel unnötigen Drift den Strand entlangzudüsen, zum Abbiegen auf Raumwind aber noch einmal ordentlich zuzulegen. Bemerkenswert sind die Leistungen auf dem Kreuzkurs, wo die Tonkawa während der Tests gerade auf hartem Untergrund brillieren konnte. Mit kurzen Rennschnüren zwischen 14 und 16 Meter Länge läuft die Tonkawa gut nach vorne, behält aber eine stabile Position und bietet genug Einsatzbereich für ein virtuoses Bremsspiel – vorausgesetzt, man verwendet die Powerrings nicht. Als wir die großen Größen bis in den oberen Grenzbereich flogen, war es kaum möglich, den Kite durch ein Überziehen der Bremsen in den Strömungsabriss zu zwingen, so gierig ist die Tonkawa nach Strömung. Natürlich erreicht auch der neue Gin-Hochleister irgendwann seine Grenze, ab der er nicht mehr effektiv einsetzbar ist; bis zu dieser verhält er sich in erfahrenen Händen aber erstaunlich berechenbar.
Powerrange
Als die 5.4er ideal auf dem Kurs lief, wechselte ich auf die 4.1er, um den unterpowerten Einsatz abzuchecken. Aus dem Stand lief sie gut an, doch beim Beschleunigen auf Raumwind dann die Überraschung: Mit Loop und heftigen Schwenks versuchte ich den Krieger in der Tonkawa zu wecken – vergeblich. Es schien eher so, dass die heftigen Steuerbewegungen über die Hauptleinen geradezu die Kraft aus dem Flügel nahmen. Nach ein paar Runden hatte ich es gecheckt: Nicht die radikalen Flugbewegungen, sondern der durchdachte Einsatz der Bremsen ist die Lösung, um die unterpowerte Tonka in Schwung zu bringen und zu halten. Eine Überraschung dann beim Aufkreuzen: Trotz kleiner Größe konnte ich an manchem Kite vorbeiziehen – hier liegt eindeutig eine der Stärken der Tonkawa, zumindest solange der Untergrund hart ist und der Buggy wenig Widerstand auf dem Boden findet. Ein Parallele zum Snowkiten auf Skiern, wo die Tonkawa von Pierre Alain während der Konstruktionsphase getestet wurde.
Leistungsbereich
Gins neuer Hochleister hat uns mit seinen Leistungen überrascht. Nicht zuletzt die vordersten Ranglistenplätze der Tonkawa-Teamfahrer Moritz Hägermann und Calle Redecker in Junior- und Club-Class belegen die Leistungsfähigkeit des Flügels. Mit der großen Powerrange über die Bremse ist es möglich, Defizite wie die gröbere Größenabstufung, kaum Powerzuwachs durch Bewegung und wenig Grundzug bei weichen und matschigen Passagen wettzumachen. Lange Leinen – wie die während der Tests ausprobierten 25-Meter-Schnüre – bringen kaum Performance-Gewinn. Auf hartem Untergrund und bei ordentlich angepowertem Einsatz verwöhnt die Tonkawa durch hohe Leistungen und gute Flugstabilität.

Typischer Waageaufbau Robert Grahams mit von beiden Seiten aufgehängtem Mittelprofil

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