Die Herkunft des NPW-Zugsegels ist beinahe sagenhaft, wurde es doch Anfang der Siebziger als Fallschirm zum Landen von Apollo-Raumkapseln entwickelt. Nach der Einstellung des Projekts kam der Schirm aber nie zum Einsatz. 1993 wurde der Schirm im holländischen Leiden von Exet-Kites als Zuggerät entdeckt und der NPW5 war geboren. Invento vertreibt das Segel bereits seit einigen Jahren erfolgreich auf dem Markt, nun wurde mit dem NPW9 ein kraftvollerer Bruder konzipiert.

Bereits beim Erscheinen des NPW-Segels, dessen Name sich aus Nasa-Para-Wing herleitet und der deshalb oft einfach Nasa-Segel genannt wird, erfreute sich der Flügel als preiswertes Zuggerät starker Beliebtheit. Diese brachte ihm nicht nur hohe Verkaufszahlen, sondern auch den dritten Platz in der KITE & friends Leserwahl 2002 der legendären Stablosen und Zugdrachen ein.

Zugegeben, die Segelform des NPW5 mutet etwas plump an und auch das Design wirkt eher bieder, was das Image als Billigsegel weiter vorantrieb. Doch damit ist jetzt Schluss, denn mit dem NPW9 bringt Invento eine neue, leistungsstärkere Variante auf den Markt, die obendrein attraktiv gestaltet ist. Natürlich erkennt man das gute alte Nasa immer noch auf den ersten Blick, doch ist das Segel gestreck-
ter, die Oberfläche glatter und der Anstellwinkel flacher geworden. Das alles ermöglicht dem NPW9 mehr effektive Segelfläche zu nutzen und das verfügbare Windfenster zu vergrößern. Im direkten Vergleich mit dem NPW5 ist die Mehrleistung deutlich zu spüren. Der Schirm zieht einfach mehr und beim Schwenk durch das Windfenster baut der NPW9 deutlich mehr Zug auf.


Die neuen NPW´s überraschen mit ansprechender Optik

„Ist der NPW9 nun ein guter Buggyschirm oder nicht?“, stellt sich bei unserem Test die Frage. Zug entwickelt der Schirm kräftig, dabei ist er in keinem Moment zickig oder unberechenbar. Im Gegenteil, der NPW9 zieht dermaßen konstant, dass man Verwirbelungen glatt vergessen kann. Wo andere Schirme bereits einklappen und kollabieren, steht das Tuch des NPWs satt in der Luft. Durch die Bremse wird der Schirm immer voll aufgespannt gehalten. Wem die Zugkräfte am Bremshebel im Vierleinermodus zu groß sind, der kann die Bremswaage zusätzlich an den vorderen Flugschnüren einhängen, sodass die Bremsschnüre nur für Manöver betätigt werden müssen. Im beiliegenden „User Manual“ sind der Umgang mit dem Schirm und die Konfigurationsmöglichkeiten als Zweileiner und Vierleiner leicht verständlich in vier Sprachen beschrieben.


Die Waage hält das gesamte Segel in Form und ist sauber eingeschlauft


Auf dem Buggy zieht der NPW9 sehr souverän, dabei entwickelt er wie sein klassischer Kollege spürbare Seitenkräfte. Mit unseren renntauglichen Buggys konnten wir diese kompensieren, sodass der Buggy geradeaus lief. Mit kürzeren Basisgeräten mag das schwieriger sein. Dafür ist die Kontrolle des Schirms wirklich leicht, denn man stellt ihn einfach in die gewünschte Fahrposition und er treibt das Gefährt voran. Arbeiten mit der Bremse und Schwenken ist nicht nötig und bringt kaum zusätzliche Leistung. Zur Halse bremst man ab und dreht den Buggy in die andere Richtung, wobei das Segel ebenfalls in die neue Fahrtrichtung gesteuert wird. Dabei zieht der NPW9 noch einmal kräftig an, sodass man die Halse besser weiträumig fährt, was in Fachkreisen Wild-West- oder Cowboy-Halse genannt wird. Das sieht sehr dynamisch aus, ist aber gerade beim Aufkreuzen wenig vorteilhaft, da man leicht wertvollen Boden gegen den Wind verliert.

Insgesamt gilt die Gattung des NPWs als wenig kreuzfreudig, was wir nur bedingt bestätigen möchten. Zwar fliegt der Schirm nicht sehr weit am Windfensterrand heraus, so zieht er aber hier dermaßen kraftvoll, dass man leicht gegen den Wind anrollern kann.Mit einem Rennbuggy mit guter Spurtreue funktioniert das unglaublich gut, auf einem kurzen Buggy sollte man sich auf der Kreuz allerdings nicht überpowern, denn der auftretende Seitendrift kann allzu schnell den Spaß am Amwindkurs nehmen.

CHECKLISTE


Ordentlich etwas in der Hand für wenig Geld, das zeichnet die NPW´s aus

Natürlich sind auch Loops und große Schwenks mit dem NPW9 zu fliegen, nur bringen diese auf dem Buggy kaum zusätzlichen Vortrieb, was auch zu Schwächen auf dem Mitwindkurs führt. Auf Halb- und Raumwindkurs fühlt sich der neue Schirm genauso wie der bekannte NPW5 pudelwohl.

Ein großer Vorteil des Konzeptes des Nasa-Segels ist das kaum ausgeprägte Liftverhalten, sodass man keine Angst haben muss, vom Schirm überraschend ausgehebelt zu werden. Ein anderer Vorteil ist die einfache und beinahe unzerstörbare Konstruktion des Schirms in „Single-Skin-Technologie“ ohne Luftkammern oder Stäbe, die beim Absturz beschädigt werden könnten.

Der NPW9 ist ein einfach zu kontrollierender, kraftvoller Schirm, der auch auf dem Buggy oder All-Terrain-Board easy zu kontrollieren ist. Bei dem günstigen Preis wäre er damit das ideale Zuggerät, welches schnell zum Erfolg führt. Doch jede Medaille hat ihre zwei Seiten. Trotz der Leistungssteigerung gegenüber dem NPW5 ist der NPW9 von begrenzter Agilität und Dosierbarkeit, sodass die ersten Meter mit dem Zugsegel zwar einfach sind, man die Performance einer leistungsstärkeren Matte aber nicht erreichen wird. Dabei geht es in erster Linie um die Flugtechniken beim Buggy fahren, die man für andere Zuggeräte benötigt, mit den NPWs aber nicht erlernen kann. Wem das reicht, der wird mit dem NPW5 oder jetzt mit dem verbesserten NPW9 sehr zufrieden sein. Mit den großen Versionen des NPW9 mit 12 oder gar 15 Quadratmetern Segelfläche bringt Invento eine weitere Alternative auf den Markt. Diese Teile sind vom umsichtigen Piloten trotz ihrer Größe einfach zu handhaben und stellen eine günstige Alternative zum stressfreien Herumrollern bei leichtem Wind dar. Zwar haben Matten mit etwa 1/3 weniger Fläche die gleiche Leistung, doch kosten diese leicht das Doppelte oder sind wie die preisgünstigen Konkurrenten Firebee und C-Quad (Vergleiche KITE & friends 2/2003) schwieriger zu handhaben.


Komplett eingehängte
flugfertige Auslieferung – genannt „i-rtf“

Die aufgrund der großen Nachfrage auf dem amerikanischen Markt gebauten großen NPW9 sind derzeit nur, wie auf den Fotos zu sehen, einfarbig erhältlich. Es könnte allerdings sein, dass bei entsprechender Nachfrage diese wie die in Vorbereitung befindliche 7.6er-Größe an das attraktive Design der beiden kleineren Schirme angepasst werden.


Deutlicher Unterschied zur gedrungeneren, bieder wirkenden NPW5

Unser Testteam haben die neuen NPWs von Invento überrascht und wir lernten die Qualitäten bei verwirbeltem Wind schätzen. Sparen kann also auch Spaß machen. Gerade als kräftiges Zuggerät just-for-fun sind die einfachen Segel ideal, weil sie eben so leicht zu handhaben sind und auch ohne großes Überlegen auf den Buggy oder All-Terrain-Board eingesetzt werden können.


Auch mit großen 12 Quadratmetern Fläche volle Kontrolle


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