Wega • Spacekites
von Redaktion • 30.5.2009 • Kategorie: Lenkdrachen • KITE & friends bestellen!
Bereits die Materialwahl unseres Testkandidaten zeigt, worauf es dem findigen Konstrukteur Michael Tiedtke ankommt: Lange Lebensdauer, gepaart mit hoher Leistungsfähigkeit. Die lange Lebensdauer wird durch das robuste, aus 20 Paneelen bestehende und in meisterlicher Weise durch (natürlich geschlossene!) Kappnähte verbundene Nylonsegel gewährleistet. Dieses Segel ist auch bei einem harten Crash dehnbar genug, um den Sturz zu dämpfen und nicht zu reißen. Zudem ist es an allen neuralgischen Punkten solide, aber nie zu großflächig mit Dacron verstärkt, was ebenfalls der Belastbarkeit förderlich ist. Aus Dacron bestehen auch die Leitkantenstabtaschen, deren Ausschnitte in Yo-Yo-freundlicher Manier abgedeckt sind und die mittels eingenähter Laschen und durch Waageschnurtampen vollkommen überstandsfrei abgespannt sind. Ohne jeglichen Überstand, an dem sich beim Trickflug die Leinen verfangen könnten, sind auch die aus Lkw-Plane bestehende Drachennase des Wega und die segelseitigen Stand-Off-Aufnahmen, die auf der Segelrückseite von einer Lage Flauschband bedeckt werden.

Bemerkenswerte Größe: Der Wega ist ein großer „Flieger“

Backspin: hier in einer Sequenz festgehalten

Tricks aus dem Repertoire des großen Space Kites: die Lazy Susan

Aufgeclipste Yo-Yo-Stopper und trimmbarer Abfangschenkel

Der Wega-Kielbereich mit kurzer Bowline

Sauber: Nase aus LKW-Plane
Leistung
Die hohe Leistungsfähigkeit seines Drachens, der – dies sei an dieser Stelle vorweggenommen – direkt und präzise alle Lenkbefehle umsetzt, erzielt Michael Tiedtke durch den Einsatz hochwertiger Materialien. Hier wären vor allem die unteren Spreizen zu nennen, die aus konischen, gewickelten G-Force-Standard-Rohren des US-Herstellers Avia-Sports bestehen. Diese Stäbe sind einerseits ungemein steif und belastbar, andererseits aber auch nicht zu schwer, sodass sie den Wega Leichtwindperformance kosten könnten. Das restliche Gestänge des Space Kites besteht aus „normalem“ CFK-Rohr mit einem Durchmesser von 6 Millimeter, das man im Fall der (Un-)Fälle allerorten bekommt sowie leicht und kostengünstig austauschen kann. Alle Spreizen werden an den Leitkanten durch sorgfältig gestoppte, hochwertige und bestens passende APA-Verbinder aufgenommen. Beim Mittelkreuz entschied sich Michael Tiedtke bewusst gegen den derzeitigen Trend, die Stäbe nur durch eine Innenmuffe zu verbinden. Stattdessen setzt er beim Wega auf ein traditionelles Mittelkreuz der Firma Kerschwings, das eine hervorragende Passform besitzt und während des Tests auch härteste Belastungen klaglos wegsteckte. Eine klassische, aber immer noch ausgezeichnete Lösung.
Liebevoll
Alles in allem zeigt der Wega wie seine Geschwister aus dem Hause Space Kites wieder einmal, wofür Michael Tiedtke schon seit Langem bekannt ist: Hier wird mit liebevoller und sorgfältiger Detailverliebtheit gearbeitet. Das Ergebnis steht vor uns: Ein Drachen, an dem es in handwerklicher Hinsicht nichts zu bemängeln gibt und der bestens dazu angetan erscheint, seinem Besitzer lange Zeit viel Vergnügen zu bereiten. Doch wer könnte solch ein potenzieller Wega-Pilot sein? Diese Frage soll der Flugbericht klären, bei dem wir den Charakter des Wega näher erkunden wollen.
Größe liebt lange Leinen
Die Zielsetzung dieses Drachens beschreibt die Website der Firma Space Kites, indem sie den Wega als „Fullsize-Allrounder“ tituliert und dem interessierten Leser einen Kite verspricht, der mit einer guten Mischung aus Präzision und Trick aufwarten kann. Also nichts wie raus an die frische Luft und den Testkandidaten an die Leinen gehängt! Apropos Leinen: Diese sollten auf keinen Fall zu kurz sein. Ein derart großer Drachen, wie es der Wega ist, sollte auch am Himmel den nötigen Freiraum erhalten. Ich persönlich rate zu Schnüren mit einer Länge von mindestens 30 Meter – oder gerne noch mehr! Aber zurück zum Thema, zur Flugbeschreibung. Der Wega entwickelt sofort eine deutlich spürbare Präsenz an den Handschlaufen, ohne unangenehm zu zerren. Diese Präsenz, eine eindrucksvolle, ausgeprägte Dominanz gar, besitzt er auch am Himmel, wo er ruhig und majestätisch unterwegs ist. Er fliegt sehr spurtreu geradeaus, hält auf der großen Kreisbahn gut die Linie und kommt mit einem spürbaren Einrasten aus den Ecken, bei denen er Push-Pull-Befehle bevorzugt. Der Wega stallt sicher und lässt sich deshalb natürlich auch prima und zuverlässig an jedem beliebigen Punkt im Windfenster landen. Nur aus eng wirbelnden Spins kam unser von der Küste stammendes und an kräftigeren Wind gewöhntes Testmodell anfangs mit einer leichten Nachdrehneigung, was jedoch durch einen geringfügig flacheren Waagetrimm sehr schnell abgestellt war. Hierzu buchtet man den oberen Waageschenkel an der Knötchenleiter, welche am oberen Spreizverbinder befestigt ist, lediglich einen Knoten weiter oben ein. Fertig ist der Leichtwind-Binnenland-Trimm! Die Lenkbewegungen, mit denen der Wega angesteuert werden will, sollten deutlich sein, doch verlangt er keineswegs nach brutalem Zupacken. Nur wenn der Wind auffrischt und es stärker bläst, dann will der Wega seine nicht unerheblichen Kräfte mit denen des Piloten messen. Und dann muss man ihm mit Nachdruck klarmachen, wann er stallen oder landen soll. Doch keine Angst! Am anderen Ende der Leinen erwacht keinesfalls ein Power-Monster, sondern dort bleibt der gute Kumpel, welcher der Wega stets und zu jeder Zeit ist.
Lockere Lässigkeit
Michael Tiedtke hat schon mit dem Antares einen Allrounder vorgelegt, der in dieser Klasse Maßstäbe setzt. Mit dem Wega geht er einen Schritt weiter; er vergrößert den Drachen, ohne dass sich meine Erwartungshaltung verkleinert. Der Antares hatte bereits im Tricksegment „alles drauf“, was derzeit zum gehobenen Repertoire eines ambitionierten Drachenpiloten gehört. Der Wega kann, um es kurz zu machen, ebenfalls alles, was man heute von einem hervorragenden Allrounder erwarten kann. Doch bedingt durch seine Größe setzt er all das langsam, bedächtig und sehr elegant am Himmel um. Er axelt sicher, klappt rhythmisch durch die Kaskade, tanzt temperamentvoll durch den Comete, dreht flach durch den 540er, die Slotmachine oder die Taz-Machine. Nur in der Jacob’s Ladder braucht der Wega eine gefühlvolle Hand, um nach der halben Lazy Susan in den Fade zurückzuklappen. Dies liegt daran, dass er (zumindest bei meinem bevorzugten Gewichtstrimm) die Nase im Backflip nicht sonderlich tief nimmt, sodass man entweder sensibler zu Werke gehen oder den Kite mit mehr Schwung in die Rückenlage katapultieren muss.
Natürlich könnte man auch die Gewichte, die ich gerne am Kielende fixiert habe, gen Mittelkreuz verschieben, um den Backflip zu verbessern, doch würde darunter das Yo-Yo leiden. In dieses rollt der Wega – vor allem mit der sehr sicheren zwei-Pop-Methode – sehr bereitwillig. Doch keine Angst: auch aus der Lateral Roll oder dem Frontflip lässt sich der Space Kite bestens einwickeln. Lediglich die aufclipsbaren Yo-Yo-Stopper würde ich persönlich schnellstmöglich gegen eine dauerhaftere Lösung austauschen, die bei aggressivem Fliegen oder kräftigerem Wind weniger leicht verloren geht.
Artikel (RSS)