Paraflex 2.6 Sport von Wolkenstürmer

von Redaktion • 17.2.2010 • Kategorie: LenkdrachenKITE & friends bestellen!


Ausgewogen: An der Controlbar ist die 2.6er bestens zu kontrollieren


Präzise folgt die Paraflex den Steuerimpulsen des Piloten, wie bei diesem Groundpass

Auch in lauer Abendbrise steht der Schirm stabil in der Luft

Die einfache Controlbar und der Kitekiller des Zweileiners

Einfache, bestens zugängliche Tasche mit rückseitigem Tragegurt

Nachdem das Konzept eines stablosen Lenkdrachens mit der Paraflex mittlerweile über 20 Jahre alt ist, bleibt der Erfolg dieser Gattung dennoch ungebrochen. Bemerkenswert ist, dass Wolkenstürmer heute mit einem Drachen unter dem gleichen Namen wie einst zahlreiche Kunden gewinnt. ­Dieses Jahr ist mit der Paraflex 2.6 Sport der größte Zweileiner der aktuellen Serie neu erschienen. Und wir haben dessen ­Können sogleich unter die Lupe genommen.

Nicht nur, dass sich die Modelle Paraflex 1.2 Sport, 1.6 Sport und 2.1 Sport (die Bezeichnungen geben die jeweilige Spannweite in Metern an) in den Tests unseres Schwestermagazins Sport & Design Drachen (siehe Ausgaben 3/2009 und 5/2009) von ihrer besten Seite gezeigt haben. Auch die große Beliebtheit bei den Drachenfliegern macht die aktuelle Serie zu einem Erfolgsmodell. Insofern ist es nur logisch, dass der Hamburger Hersteller jetzt sein Programm um die 2.6er mit 260 Zentimeter Spannweite erweitert. Damit wird der Beweis erbracht: Zweileinermatten sind eben nicht nur Spielzeug für die Kleinen! Wer im Datenblatt liest, dass die Schnüre dieses Sportlers ganze 150 Dekanewton zu halten vermögen, bei dem sollte es im Kopf schon einmal Klick machen. Und wenn wir nun noch ein Geheimnis verraten – diese Paraflex bringt mehr als 2 Quadratmeter Segelfläche an den Himmel! – dürfte auch der letzte Zweifler an das Potenzial des neuesten Wolkenstürmer-Sprosses glauben.

Set
Aus der 60 Zentimeter breiten Tasche können wir nach dem Öffnen der beiden Gurtschnallen den ordentlich zusammengelegten Kite zusammen mit einer 55 Zentimeter langen Bar entnehmen. Und zwar wirklich nur zusammen, denn – hier der erste Pluspunkt – die Matte wurde von Wolkenstürmer bereits komplett angeleint. So lassen sich die 25 Meter Schnur rasch abwickeln und die Matte ist gleich startbereit. „Leichter geht’s nicht!“ steht schon in der kleinen Aufbauanleitung, welche auch das Anlegen und die Funktion des ebenfalls serienmäßig an der 2.6er befestigten Kitekillers erläutert. Ist dieser erst um das Handgelenkt gelegt, kann es wirklich schon losgehen.

Power
Zuerst fliegen wir die Paraflex am untersten vom Hersteller angegebenen Windlimit von 2 Beaufort. Langsam erhebt sich der Drachen, um mit mäßiger Fahrt in den Zenit zu steigen. Mit etwas Bewegung in langgezogenen Flugbahnen macht das Fliegen schon Spaß. Ordentliches Feedback gibt es dann ab 3 Windstärken, was im Segment der Spaßflieger nicht unbedingt die Regel ist. Satt und flugstabil liegt die Matte in allen Bereichen des Windfensters in der Strömung und beim Durchflug kann man sich schon ein wenig reinhängen. Ab 4 Beaufort beginnt das Kraftspiel und man sollte sich vor dem Start gut an der Lenkstange festklammern. Wer seiner Paraflex nun auf schnellen Geraden ordentlich Pfeffer gibt, muss sich gegen die Power kräftig reinstemmen. Schnell fühlt man sich wie ein erwachsener Kiter, und tatsächlich ist das absolut kein Kinderkram. Oberhalb von 4 Windstärken ist es dann sicher vorbei mit dem Funkiten und man ist im Element des Powerkitens. Der Pilot sollte dabei schon genau wissen, was er macht und wie er auf den Zug der Matte reagiert. Sich an die obere Windgrenze von 6 Beaufort heranzutasten, sollte nur den ganz Ausgebufften überlassen werden. Einen festen Stand zu behalten ist hierbei kaum mehr möglich, sodass beim ersten Druckaufbau der Paraflex gleich die Rutschpartie beginnt.

Robustheit

Für alle Fälle hat Wolkenstürmer der 2.6er serienmäßig den Kitekiller verpasst – und das ist auch gut so. Falls sich der Kiter an den gerade aufgeführten Stärken des Windes überschätzt hat, so sollte er die Bar sofort loslassen. Der an einem Schnurende wirkende Kitekiller sorgt sofort für komplette Entlastung und die Matte trudelt Richtung Boden, ohne dass man Angst haben muss, sie könnte wieder Zug aufnehmen.

Auf ebenem Untergrund konnten wir die Paraflex meist ohne Helfer vom Boden restarten, egal, ob nach einem Auslösen des Kitekillers oder einem Absturz. Auch hatten wir vor Abstürzen im unteren Windbereich wenig Angst. Sehr strapazierfähig mutet das Tuch der Paraflex an und die Näharbeiten erscheinen solide. Auf Luftausgleichsöffnungen in den Profilen wurde bis auf die innenbelüfteten Flügelenden verzichtet, sodass dem Ausreißen an diesen neuralgischen Stellen ebenfalls vorgebeugt wird. Beim Crash in kräftigem Wind mag die Matte daher auch noch halten, doch ist bei einem heftigen Absturz auf die Lufteinlässe der Staudruck in den Kammern aufgrund des schlagartigen Dezimierens des Volumens so groß, dass die Nähte und das Tuch enorm belastet werden und der Kite dadurch leidet. Entsprechend sollte man heftige Abstürze immer durch ein rechtzeitiges Loslassen der Bar vermeiden – auch wenn das Gerät so robust ist, dass nicht beim ersten Aufschlag gleich die Kammern platzen.

Lenkung
Zugegeben: Als alter Hase im Drachensport stehe ich der Verwendung von Controlbars bei Zweileinern eher skeptisch gegenüber. Hat man an der Stange doch nicht die Möglichkeit von großen Lenkausschlägen, wie es mit einzelnen Griffen möglich ist. Hier hat mich die Paraflex 2.6 verblüfft, denn sie scheint exakt auf die Länge der Bar und den sich daraus ergebenden Lenkimpulsen abgestimmt zu sein. So lässt sich der Wolkenstürmer nicht nur direkt ansteuern: Auch enge Loops in beide Richtungen gehen leicht von der Hand. Insgesamt überträgt die Bar ein gutes Feingefühl zur Ansteuerung des Kites und der Wunsch nach Einzelgriffen kommt tatsächlich nicht auf. Also kann man cool wie ein Kitesurfer seine Stange halten, ohne in der Kontrolle eingeschränkt zu sein. Für blutige Anfänger hat die Bar zudem den Vorteil, dass man nicht wie ein Adler seine Arme nach oben oder links und rechts vom Körper wegstrecken kann und sich dabei wundern muss, dass der Kite nicht die gewünschte Reaktion zeigt. Die Stange vermittelt immer ein Gefühl für die Stärke des Lenkeinschlags. So flogen alle unsere Testpersonen in kürzester Zeit exakte Flugmanöver, wie zum Beispiel kontrollierte Groundpasses.