Flying Wings – Setzt die Seele in Flammen
von Redaktion • 29.6.2009 • Kategorie: Lenkdrachen • KITE & friends bestellen!
Soul – bei diesem Namen klingen in meinen Ohren Songs wie Percy Sledges „Dock Of The Bay“, Wilson Picketts „In The Midnight Hour“ oder Aretha Franklins „Think“. Ob der Kite aus der asiatischen Manufaktur Flying Wings mein Gesicht genauso zum Strahlen bringt wie die Klassiker in meinem Plattenschrank?

Eingewickelt: Soul im Yo-Yo

Stylischer Pancake – kein Trick, der sich nicht an den Himmel zaubern lässt

Kielabspannung mit angebrachtem Kielgewicht

Abgedeckte Spreizverbinder und eingenähte Mylarelemente

Überstandsfreie Nase und eingenähtes Schriftzeichen

Jeweils Yo-Yo- und Backup-Yo-Yo-Stopper zur Segelrückseite weisend

Die segelseitigen Stand-Off-Aufnahmen
Feine Details
Verarbeitungstechnisch gesehen ist der Soul ein echtes Schmankerl. Wie schon beim Silver Fox aus gleichem Hause ist auch hier die sauber gearbeitete Nase an den Leitkanten noch einmal mit einem dünnen Streifen Dacron eingefasst, damit sich die Flugleinen beim Backspin nur ja nicht verfangen können. Ebenso glatt und detailverliebt gelöst ist die segelseitige Befestigung der Stand-Offs, bei der die Verbinder auf vor dem Segel liegenden Dacronlaschen sitzen; oder die Abspannung der Leitkante, die ebenfalls ohne jeden Überstand auskommt. Heutzutage schon fast eine Selbstverständlichkeit sind die abgedeckten Spreizverbinder, die es beim Yo-Yo den Flugschnüren gestatten, ungehindert bis zu den Yo-Yo-Stoppern zu gleiten. Diese Yo-Yo-Stopper sind auf jeder Leitkante so angebracht, dass sie nach hinten, zur Segelrückseite hin zeigen. Hierdurch und durch die gleich vorhandenen Safety-Stopper soll gewährleistet sein, dass man beim Einwickeln des Drachens nicht „daneben wickelt“. Eine trimmbare Saumschnur ermöglicht es, den Soul bei leichtem Wind flüsterleise zu trimmen und ihm bei stärkeren, böigeren Verhältnissen durch ein Lockern der Saumschnur ein sonores Brummen zu gestatten. Hierdurch wird er böenunempfindlicher, etwas langsamer, gleichmäßiger in der Geschwindigkeit und vor allem eine Nuance präziser. All diese feinen Detaillösungen sind zwar nicht neu, aber höchst erfreulich und lobenswert.
Neuigkeiten
Neu ist dagegen, dass der obere Schenkel der durch eine Knötchenleiter trimmbaren Waage stellenweise mit einem dünnen, transparenten Schlauchstück geschützt ist, damit er sich bei der Lazy Susan nicht an den unteren Spreizen aufscheuert. Neu ist auch, dass ein Drachen mit einem Satz kürzerer äußerer Stand-Offs ausgeliefert wird, die es ihm erleichtern, im Lifter gen Himmel zu steigen.
Segel
Das Segel des Soul besteht aus dem leichten Highend-Tuch Icarex PC31 und wurde komplett in Segelmachertechnik genäht. Alle besonders beanspruchten Stellen sind sorgfältig mit Dacron verstärkt, sodass eine lange Lebensdauer gewährleistet sein sollte. Die Schleppkante unseres Testkandidaten wurde mit Saumband eingefasst, welches dem Segel nicht nur optisch einen gelungenen Abschluss gibt, sondern es auch bei allen Freestyle-Manövern schützt, bei denen die Flugleinen mit ihm in Kontakt kommen. Nur aus Gründen des Designs wurden beim Soul an verschiedenen Stellen Mylarlaminat in das Segel integriert und asiatische Schriftzeichen aufgesteppt. Doch es ist wie bei gutem Essen: das Auge genießt mit!
Ein steifes Gerüst
Das Stabgerüst des Soul besteht – mit Ausnahme der oberen Spreize, die aus 6 Millimeter starkem CFK-Rohr gefertigt wurde – durchweg aus gewickelten Profilen von Dynamic. Während in der Leitkante mit den DT 18 die steifsten „Prügel“ dieses Herstellers verbaut sind, kamen ansonsten T-15-Stäbe zum Einsatz. Alle Leitkantenverbinder stammen von APA, wurden sicher gestoppt und passen bestens. Auch hier gibt es keinerlei Gründe zur Beanstandung. Alles in allem ist der Soul ein Kite, der hervorragend verarbeitet ist, bei dem sich das Auge des Betrachters an vielen kleinen, feinen Detaillösungen erfreuen kann und nichts dem Zufall überlassen wurde.
Vorliebe für frische Brisen
Am Himmel macht der Kite aus Fernost eine gute Figur. Er benötigt zwar aufgrund seines relativ stattlichen Gewichts von über 350 Gramm eine ganze Mütze Wind, um sich zu erheben, doch wird er schon bei etwa zehn Stundenkilometer Windgeschwindigkeit temperamentvoll und agil. Sein bevorzugter Windbereich liegt von den genannten zehn bis hoch in Bereiche um die 25 Stundenkilometer, in denen viele andere Freestyler ihrem Piloten nur noch Mühe machen und Kampf bieten. Der Soul versteht es hingegen prima, auch bei kräftigem Wind sein immenses Trickpotenzial abzurufen.
Jede Menge Tricks!
Tricks! Das ist das, womit dieser Freestyler punkten kann. Der Soul dreht extrem bereitwillig auf dem Rücken – egal ob in der Lazy Susan oder im Backspin, sodass diese beiden Moves ebenso wie die Kombination aus beiden, die Jacob’s Ladder, fast schon zum Kinderspiel werden. Ebenso einfach rollt der Flying-Wings-Kite, der über die Firma Volango importiert wird, ins Yo-Yo. Dass dies so ist, liegt nicht zuletzt an der Turbowaage, die ihm extrem viel Pitch verleiht, sodass er blitzschnell aus dem Frontflip ins Yo-Yo katapultiert werden kann. Während des Tests blieb das 5-Gramm-Gewicht stets am Soul montiert, doch sollte der Kite auch ohne diesen zusätzlichen Ballast bestens wickeln. Erfreulich ist die Tatsache, dass der Soul auch viele Trickklassiker bestens vollführt. So klappt er ohne nennenswerten Höhenverlust im Flic Flac hin und her, lässt sich herrlich akzentuiert in der Axelkaskade bodenwärts dirigieren, landet zuverlässig und sicher und rotiert flach auf dem Bauch, wenn es um Axels, 540er, Slotmachines oder Taz Machines geht. Eine wahre Freude sind die schnellen, überaus spektakulären Cometes, die der Soul über den Himmel tanzen lässt, als ob dieser Trick das Einfachste der Welt sei. Doch all das ist ja für einen Freestylekite nichts Außergewöhnliches. Außergewöhnlich ist aber die Tatsache, dass all diese herausragenden Freestyle-Fähigkeiten beim Soul mit einer durchaus ordentlichen Präzision gepaart sind. Knackige Ecken, präzise Loops, saubere Ausflüge aus eng wirbelnden Spins und jederzeit das Gefühl, die Kontrolle über den Kameraden an den Leinen zu haben – das ist echtes Soul-Feeling.
Soul-Feeling
Der Soul macht seinem Namen in der Tat alle Ehre. Er gibt – wie Percy Sledge, Wilson Pickett und Aretha Franklin – dem Piloten sofort das Gefühl, dass am anderen Ende der Leinen ein guter alter Bekannter ist. Wie diese Großmeister der Musik fühlt sich der Soul sanft und dennoch immer präsent an, wenn man ihn über den Himmel bewegt. Und wie die großen Namen der Motown-Ära, die stets für etwas Wildes, Außergewöhnliches und Überraschendes gut waren, ist der Soul allzeit in der Lage, in einem Feuerwerk wilder Freestylemoves geradezu zu explodieren. Für einen Preis von knapp unter 200,– Euro bekommt man mit diesem Drachen einen echten Highend-Freestyler, der durchaus das Zeug zum Klassiker hat.

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