Element – Ein Quantensprung!
von Redaktion • 8.10.2009 • Kategorie: Lenkdrachen • KITE & friends bestellen!
Der Element ist eine Entwicklung des hochtalentierten britischen Wettkampfpiloten Chris Goff, die im Atelier des Altmeisters des englischen Lenkdrachensports, bei Carl Robertshaw, produziert wird. KITE & friends hat einen Kite der auf 50 Exemplare begrenzten Kleinserie erhalten, sodass wir nun stolz einen Test dieses hochexklusiven Kites präsentieren können.

Chris Goffs Element ist ein hochexklusiver Kite

Einzigartig robust: Stand-Off-Aufnahmen

Der Element trägt seine Herkunft aus gutem Hause offen zur Schau

Kiel von der Segelrückseite mit Trimmvorrichtung für die Saumschnur und Ballast“
Der Element wird in einem typischen Robertshaw-Köcher ausgeliefert: Leuchtendes Neonorange verkündet, dass dieser Kite aus einer der exklusivsten Drachenschmieden der Welt stammt, aus dem mitten in London gelegenen Kitestudio des Altmeisters und amtierenden Vize-Europameisters Carl Robertshaw. Dort wird nur bestes Material verwendet, sodass der Element nicht nur wegen seiner begrenzten Stückzahl ein echtes Meisterstück ist. So wird das Segel aus zwölf Paneelen des Polyestertuchs Icarex PC31 genäht, die alle mittels schnurgerader, blitzsauber ausgeführter, geschlossener Kappnähte miteinander verbunden sind.
Durable – haltbar
Alle neuralgischen Stellen sind sorgfältig verstärkt. Das heißt, dass der Bereich der Kielabspannung, die Zone um das Mittelkreuz sowie der Scheuerschutz für die obere Spreize beidseitig mit Dacron hinterlegt sind. Besonderes Augenmerk sollte man auf die segelseitige Verstärkung der Stand-Offs richten: Hier wurde zunächst eine Mylarverstärkung auf das Segel gesteppt, bevor man diesen Bereich – ebenfalls beidseitig – mit Lkw-Plane versehen hat. Da kann auch nach jahrelangen Strapazen garantiert nichts ausreißen. Aus Lkw-Plane besteht übrigens auch die extrem glatt und bündig mit den Dacronstabtaschen abschließende Drachennase. Ist es wirklich nötig zu erwähnen, dass die Leitkantenausschnitte in Yo-Yo-freundlicher Weise abgedeckt sind, dass mit vier Kabelbindern Yo-Yo-Stopper vorhanden sind oder dass die Abspannung der Leitkanten keinerlei schnurfangende Überstände aufweist? Diese Details gehören bei einem Highend-Freestyler zu den Selbstverständlichkeiten und werden natürlich auch vom Element voll und ganz erfüllt. In die mit Spinnakersaumband eingefasste Schleppkante der Schöpfung des Trickfliegers Chris Goff ist eine Spannschnur eingelegt, die am Kielende getrimmt werden kann und im Ursprungs-Setting einen lautlosen Flug ermöglicht.
Materialfragen
Selbstverständlich wurde der Element von seinem Konstrukteur Chris Goff und seinem Hersteller Carl Robertshaw auch mit allerbesten Stäben ausgestattet: Während in den Leitkanten belastbare und dennoch steife Skyshark-P200-Rohre zum Einsatz kommen, erhielt der Element untere Spreizen aus Aerostuff-Blue-S-Rohren. Diese teuren Highend-Stäbe verleihen ihm ein extrem direktes Ansprechverhalten, das ein Resultat der enormen Steifigkeit dieser japanischen CFK-Profile ist. Alle Stäbe werden von bestens passenden und sorgfältig gestoppten APA-Verbindern aufgenommen.
Wenig Bauch
Das Erste, das beim Betrachten des Element ins Auge sticht, ist neben seiner für einen aktuellen Freestyler eher gedrungen wirkenden Form die Tatsache, dass das Segel sehr flach ausgestellt ist. Die beiden Stand-Offs sind sehr viel kürzer, als dies heutzutage sonst üblich ist, sodass der Element über extrem wenig Bauch verfügt. Dieser Tatsache verdankt der Element seine speziellen, ganz besonderen und ihn von der breiten
Masse deutlich abhebenden Flugeigenschaften.
Not Everybody’s Darling
Um es gleich vorneweg laut und deutlich zu sagen: Der Element ist nicht „everybody’s darling“, kein Drachen also, den man mal eben für eine Viertelstunde an die Leinen nimmt und von dem man sofort begeistert ist. Ich selbst brauchte eine gute halbe Stunde, bis es richtig „geschnackelt“ hat, bis ich erkannte, welch brillanter Kite, welch herausragender Drachen und welche Chancen da am anderen Ende meiner Leinen fliegen. Womit soll ich anfangen? Beginnen wir mit den Schwächen: Der Element ist ein Drachen, der im Pancake Führung braucht. Wenn man den Kite in den Fade axeln will, sollte man dies aus der gespannten Leine heraus tun, wie man es in den 90er-Jahren beim TrickTail kannte. Flic Flacs? Mir gelingen bis heute nur sporadisch Flic Flacs, da der Element im Pancake wirklich unglaublich leicht „davonschwimmt“.
Stärken? Oh ja!
Doch diesen Schwächen stehen Stärken gegenüber, wie ich sie so bei noch keinem Drachen kennengelernt habe. Der Element rotiert schnell und ungemein bereitwillig um seine Horizontalachse, sodass Yo-Yos – auch multipel – schnell und ansatzlos ausgeführt werden können. Deutet man den Pancake nur knapp an und zieht dann schnell und zackig aus dem Handgelenk, wickelt sich der Kite verkehrt herum ein, bis er im Yo-Fade liegen bleibt. Selbst dieser sehr anspruchsvolle Move gelingt mit Chris Goffs Freestyler einfach und locker. Natürlich rotiert er schnell und flach im Backspin, klappt er lustig und akzentuiert durch die Jacob’s Ladder und tobt er im Comete rasant bodenwärts. All das gehört heute zum Pflichtenheft eines radikalen Freestylers. Dass der Element darüber hinaus noch eine sehr solide Flugpräzision mitbringt, die ihn auch in einem STACK-Ballett als Wettkampfdrachen einsetzbar macht, ist erfreulich, hebt ihn aber noch nicht endgültig von der Masse der sehr guten Freestyle-Kites ab.
Old School – neu entdeckt
Das wahrhaft Besondere, das Einzigartige und das, was den Element aus der edlen Gilde der Top-Freestyler herausragen lässt, sind seine Fähigkeiten, klassische Old-School-Moves in wunderbarer Weise auszuführen und sie in neuen Kombinationen zu verschmelzen. Dieser Drachen stallt – nicht nur bei Leichtwind, sondern auch bei mehr als 20 Stundenkilometer Windgeschwindigkeit – bis der Arzt kommt. Und das an jedem beliebigen Punkt im Windfenster! Darüber hinaus kann man mit dem Element Sideslides vollführen, bei denen er, die Flügelspitzen parallel zum Boden ausgerichtet, wie auf Schienen quer durch das Windfenster gleitet. Dieser Move war seit den späten 90er-Jahren, der Zeit der gedrungen wirkenden Kites wie dem Illusion, dem Tramontana oder dem bereits angesprochenen TrickTail, eher den Einsteigerdrachen vorbehalten. Die aktuellen Trickdrachen mit ihrer sehr gestreckten Form hingegen kann nur ein absoluter Crack und Könner halbwegs stabil und sicher sliden. 540er, Slotmachines oder die Taz Machine werden vom Element tellerflach und sicher ausgeführt. Hier ist nichts vom Purzeln oder Kugeln vieler gestreckterer Mitbewerber zu sehen.
Axel wie seit Jahren nicht mehr
Ein ganz besonderer Genuss ist jedoch der Klassiker des Trickfliegens: der Axel. Der Axel? Was soll denn an diesem Trick besonderes sein? Abwarten! Man kann axeln und AXELN. Und der Element AXELT. Man stelle sich vor: Ein Groundpass knapp über dem Boden, ein Stall – ein laaaange gehaltener Stall – und nun ein Axel, bei dem sich der Drachen wie im Lehrbuch auf den Bauch legt, tellerflach um volle 360 Grad dreht, sich wieder aufrichtet und dann senkrecht nach oben weiterfliegt. Also kein herumgekugelter 270-Grad-Axel, sondern ein echter Axel! Und es kommt noch besser: Wenn man den Axel wie beim TrickTail (Schon wieder dieser Vergleich, ich weiß!) aus der gespannten Schnur zieht, kann man diesen Trick mehrfach hintereinander fliegen: multiple Axel! Ich sage es ganz ehrlich: Als mir dies das erste Mal mit dem Element gelang, freute ich mich wie ein kleines Kind. Man braucht zwar Gefühl für Chris Goffs Drachen, doch dann gibt er einem auch das ganz spezielle Element-Feeling zurück. Und was wäre besser als ein Kite, der Gefühle weckt?
Neue Ufer
Gewiss, der Element ist ein Drachen, auf den man sich einlassen muss, der seinem Piloten viel abverlangt, der ihm dafür aber auch Dinge ermöglicht, die man so seit Jahren nicht mehr kennt. Kein „everybody’s darling“ eben, doch dafür ein Kite von Könnern für Könner. Denn wenn man sich auf den Element einlässt und ihm die Chance gibt, sich zu entfalten, dann kann man mit ihm Dinge und vor allem Kombinationen fliegen wie mit keinem anderen Kite, den ich kenne.


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