Belusa – Ein "beyerischer Hammer-Drachen"!
von Redaktion • 13.8.2009 • Kategorie: Lenkdrachen • KITE & friends bestellen!
Der Franke Michael Beyer und Robert Hammer, ein Oberpfälzer, sind die Designer des Belusa, der seit diesem Jahr das Sortiment der Hamburger Manufaktur Wolkenstürmer um einen reinrassigen Freestyler bereichert. Wie diese bayerische Koproduktion in der Freien und Hansestadt Hamburg realisiert wurde und wie sie sich am Himmel verhält, soll dieser Test zeigen.



Eine wirklich sauber gearbeitete Drachennase

Im leuchtenden Orange auf der Sommerwiese – es gibt auch die Variante „Steel“ in Grautönen

Zusatzfeature: trimmbare Gummischnur am Kiel

Frontansicht im Powerdive: Segelausformung und Turbowaage sind klar erkennbar

Obere Spreizverbinder: leider nicht abgedeckt
Sauberes Segelfinish
Der Belusa ist ein Drachen, der trotz seines günstigen Preises mit hochwertigen Materialien aufzuwarten weiß. So ist sein Segel aus Icarex PC31, einem Highend-Polyestertuch, gefertigt und in höchst präziser Weise mit geschlossenen Kappnähten genäht. Alle besonders beanspruchten Stellen wurden mit angemessen dimensionierten Dacronverstärkungen versehen, die einerseits gewährleisten, dass nichts ausreißt, die andererseits aber auch kein überflüssiges Gewicht mit sich bringen. Ein sauberes Finish zeigt sich immer wieder an der Drachennase und an den Flügelspitzen. In diesen Bereichen führen bereits kleinste Überstände dazu, dass sich die Flugschnüre verfangen und der peinliche „Walk of Shame“ zum Drachen nötig wird. Nicht so beim Belusa! Hier ist die Nase so gearbeitet, dass Gurtband und Dacron glatt und bündig mit den Dacronstabtaschen der Leitkanten abschließen. An den Flügelspitzen sorgen eingenähte Läschchen dafür, dass die Leitkante zum einen dauerhaft unter konstanter Spannung gehalten wird, dass andererseits keinerlei störende Überstände zum Leinenfänger werden können. So soll das sein! Die Schleppkante des Belusa ist mit Saumband eingefasst, in das eine trimmbare Saumschnur eingelegt wurde. Durch diese kann der Kite bei Leichtwind flüsterleise und in einer frischen, böigen Brise brummelnd getrimmt werden, sodass man immer maximale Leistung aus dem Belusa herauskitzeln kann. Trimmbar ist auch die bestens eingestellte Reverse Turbowaage des Belusa, die zwar über keinen Fangschenkel verfügt, die diesen während der ausgiebigen Testflüge aber auch niemals vermissen ließ.
Schönheitsfehler
Ein kleiner Schönheitsfehler, der in unserem unbestechlichen Punkteschema zu herben Abzügen führte, ist am Belusa aber dennoch zu finden: Die oberen Spreizverbinder sollten bei einem zeitgemäßen Freestyler unbedingt abgedeckt sein, damit die Flugleinen beim Einwickeln ins Yo-Yo ungehindert bis zum Yo-Yo-Stopper gleiten können und sich nicht vorzeitig am Verbinder für die obere Spreize verfangen. Doch dieser geringfügige Makel kann billig, schnell und einfach beseitigt werden. Was man dazu benötigt? Ein paar Tropfen Sekundenkleber und zwei Kabelbinder, an denen man den Verschluss wegschneidet. Diese Kabelbinderreste führt man in die Stabtaschen ein und fixiert sie mit einem Tropfen Kleber auf dem APA-Verbinder für die obere Spreize. Fertig! Jetzt kann hier nichts mehr hängen bleiben.
Gestängewahl
Bei der Konzeption des Belusa achteten die beiden Erbauer, „Beyersmichel“ und „Sledge“ Hammer darauf, dass der Kite um ein Gerüst aus 6-mm-CFK-Stäben herum aufgebaut werden konnte. Diese Stabwahl soll – und das ist der Clou beim Belusa – nicht zu Lasten der Leistungsfähigkeit gehen, aber den wagemutigen Einsteiger oder radikalen Freestyle-Jünger entlasten, wenn es bei oder nach einem Trick ein unschönes „Knack!“ zu hören gibt. Die 6er-Stäbe des Belusa sind dann, wenn es mal wieder richtig derb zur Sache ging und Kleinholz produziert wurde, kostengünstig und schnell ausgetauscht und vor allen Dingen fast überall einfach zu bekommen. Damit aber nicht zu oft etwas zu Bruch geht, wird dieses schlichte Gestänge von bestens passenden und sehr sorgfältig gestoppten Verbindern aufgenommen und in Position gehalten. Kurzum: Der Belusa ist, abgesehen vom offen liegenden oberen Spreizverbinder, ein sauber und gut verarbeiteter Kite, an dem man viel Freude haben kann, wenn… Ja, wenn er so fliegt, wie er aussieht.
Windbereich
Der Belusa ist trotz seiner hanseatischen Mutter der Spross zweier Binnenland-Piloten. Und als solcher benötigt er nicht allzu viel Wind, um wirklich temperamentvoll zu fliegen. Mit ein wenig Eigenbewegung kann man ihn schon bei etwa sechs Stundenkilometer an den Himmel pumpen, doch erst ab acht macht er wirklich Spaß. Während des Tests setzten wir den Belusa auch ruppigen Winden aus, die er bestens meisterte. Doch bei mehr als 35 Stundenkilometern Wind erscheint Trickflug mit diesem Kite wenig sinnvoll, dann macht der Belusa keinen Spaß mehr. Sein bevorzugter Windbereich liegt im Spektrum zwischen zehn und 25 Stundenkilometer. Hier ist er wirklich in seinem Element.
Fluggefühl
Bereits beim ersten Kontakt mit dem Belusa hatte ich ein gutes Gefühl. Es wurde offensichtlich, dass dieser Drachen von zwei Könnern ihres Fachs gebaut wurde. Wer schon lange in der Szene zu Hause ist, kennt Michael Beyer und „Sledge“ Hammer als Pioniere des Trickfluges und erfahrene Wettkampf-Cracks. Wenn solche Leute einen Kite designen, wird dieser immer in der Lage sein, eine saubere Gerade, knackige Ecken und in der Geschwindigkeit bestens kontrollierte Loops zu fliegen. Natürlich ist das auch beim Belusa so. Keine Frage: Für einen Drachen seiner Größe wartet der Belusa mit einer eindrucksvollen Flugpräzision auf. Er kommt ohne Nachdrehen aus engen Spins, lässt sich auch bei viel Wind sicher und kontrolliert an jedem Punkt des Windfensters spiken oder landen und entwickelt bei alledem eine zwar flotte, keineswegs aber hektische Fluggeschwindigkeit. Der Zug, den er seinem Piloten an die Lenkschlaufen liefert, ist gut spürbar, bestens definiert und zu keiner Zeit unangenehm zerrend.
Tricks? Aber ja doch!
Ich kann es gleich vorwegnehmen: Es gibt nichts, das mit dem Belusa nicht ginge. Der Kite axelt bereitwillig und kontrolliert, rotiert flach durch die Bauchtricks 540er, Slotmachine und Taz Machine, liegt stabil in Fade und Backflip, kreiselt – je nach Lust und Laune – schnell oder besinnlich im Backflip und dreht bereitwillig um seine Horizontalachse ins Yo-Yo, wo er sehr neutral weiterfliegt. Mit aberwitziger Geschwindigkeit kann man ihn durch den Comete prügeln, doch das muss nicht sein – auch kontrolliert und sauber akzentuiert lässt sich der Belusa durch diesen Trick manövrieren. Ein witziges Feature haben die beiden Tüftler und Konstrukteure dem Belusa mit auf den Weg gegeben: Im Kielbereich ist auf der Segelrückseite ein Gummiband gespannt, mit dem man den Kiel schärfer profilieren kann. Zieht man dieses stramm, ist der Belusa in der Lage, auch den Lifter kinderleicht zu vollführen. Mein persönliches Lieblings-Setting ist und bleibt jedoch der Auslieferungszustand, in dem dieses Gummi nur leicht gespannt ist.
Was will man mehr?
Der Belusa ist ein Drachen, der jede Drachentasche bereichert. Dieser Tausendsassa kann alles, was man derzeit an Tricks kennt, ist präzise und kontrollierbar und sieht überdies gut aus. Da er eine gehörige Mütze Wind verträgt ohne bei Leichtwind übergewichtig im Köcher bleiben zu müssen, da er solide und sauber verarbeitet ist und da man in jedem Urlaubsort an der Küste im Drachenladen Ersatzstäbe bekommt, sollte der Belusa nicht nur ein hervorragender Lerndrachen für angehende Freestyle-Cracks, sondern ebenfalls ein idealer Reisedrachen für alle Fälle sein. Meine persönliche Meinung: Michael Beyer, Robert „Sledge“ Hammer und der Firma Wolkenstürmer ist mit dem Belusa ein ganz ausgezeichneter Kite gelungen, den ich auch in meiner privaten Drachentasche nicht mehr missen möchte.


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Zitat: “Doch bei mehr als 35 Stundenkilometern Wind erscheint Trickflug mit diesem Kite wenig sinnvoll, dann macht der Belusa keinen Spaß mehr. Sein bevorzugter Windbereich liegt im Spektrum zwischen zehn und 25 Stundenkilometer. Hier ist er wirklich in seinem Element.”
Das letzte Word des Zitates fliegt im Hintergrund über Überschrift – netter Zufall.