Atomic Invento – Willkommen im Atomzeitalter
von Redaktion • 9.7.2010 • Kategorie: Lenkdrachen • KITE & friends bestellen!
Während man bundesweit über den Atomausstieg nachdenkt und diskutiert, bringt die als naturverbundener Musterbetrieb bekannte Rasteder Manufaktur einen Einsteigerdrachen namens Atomic auf den Markt. Ob dieser zu erhitzten Diskussionen führt oder seinen Besitzer zum Strahlen bringt, soll unser Test zeigen.

Inventos Atomic bietet Spaß beim Stuntkiting in allen Facetten

Atomausstieg fehlgeschlagen! – doch mit dem HQ-Kite bleibt man naturverbunden

Start des Atomic im Rising Fade

Die außen liegende Muffe sorgt für ein kleines Packmaß

Fröhlich, frisch, frech
Das Testmodell in der Farbkombination „Kiwi“ machte auf den ersten Blick am blauen Himmel eine sehr gute Figur. Neben dem gefälligen Shape ist dafür das fröhlich-frisch-freche Segeldesign in Grünblautönen verantwortlich. Dies scheinen die Farben des Jahres zu sein, da man sie derzeit bei einigen Kites beobachten kann. Zu Recht! Neben dem Segeldesign fällt auf den ersten Blick das solide und durchaus wertige Zubehör auf: Ein Dyneema-Lenkset mit 25 Meter Schnurlänge und einer Bruchlast von 60 Dekanewton, das zusammen mit einem Paar griffsympathischer Handschlaufen auf einem Winder ausgeliefert wird, ermöglicht das sofortige Loslegen.
Idealer Reisebegleiter
Doch halt! Vorher muss der Drachen erst noch aufgebaut werden. Hierzu muss die geteilte Leitkante des Atomic zuerst mithilfe der freiliegenden Muffe zusammengesetzt werden. Hat man dies getan, wird die Leitkante gemäß der beigepackten und vorbildlich gestalteten Aufbauanleitung abgespannt. All dies ist schnell geschehen und garantiert, dass der Atomic, der im gefalteten Zustand auf weniger als 90 Zentimeter Länge verpackt werden kann, ein idealer Reisebegleiter ist, der in nahezu jedem Fluggepäck Platz finden sollte. Aufgebaut steht vor dem Besitzer dann übrigens ein durchaus stattlicher Kite – mit einer Leitkantenlänge von 140 Zentimeter und einer Spannweite von 219 Zentimeter.
Heavy duty
Der Hersteller schreibt in seinem Manual, dass der Atomic „als Allrounder für mittlere bis kräftige Winde konzipiert“ wurde, „der speziell mit Bedingungen, wie sie an der See häufig vorkommen, gut zurechtkommt.“ Das heißt, dass dieser Drachen definitiv nichts für die flüsterleisen Sommerbrisen des Binnenlands ist oder sein will. Stattdessen stehen Nehmerqualitäten im Vordergrund. Um diese zu erhalten, wurde der Atomic um ein höchst solides Gerüst herum aufgebaut. Die Leitkanten bestehen ebenso wie die obere Spreize aus recht schwerem, jedoch ungemein biegsamem und haltbarem Kohlefaser-Fiberglas-Hybridrohr mit einem Durchmesser von 6 Millimeter. Nur für die unteren Spreizen und den Kielstab wurde „reines“ CFK-Rohr verwendet, da man hier nicht nur Belastbarkeit, sondern vor allem auch Steifigkeit benötigt. Zusammen mit dem sattsam verstärkten Segel aus schwerem Ripstop-Polyester-Tuch und Mylarlaminat bringt der Atomic also stattliche 337 Gramm auf die Waage. Was im ersten Moment schrecklich schwer klingt, ist allerdings sehr sinnvoll, wenn man die Bedürfnisse in Betracht zieht, die ein angehender Trick-Champion während seines Nordsee-Urlaubs hat: Hier muss der Drachen auch bei viel Wind mit harten, unbeabsichtigten Bodenberührungen klarkommen. Hier muss der Kite auch dann, wenn der Trickflug kaum noch möglich ist, durch Geschwindigkeit und Power überzeugen. Und hier muss, wenn doch einmal etwas zu Bruch geht, schnell und unkompliziert Ersatzmaterial beschafft werden können. All diese Kriterien erfüllt der Atomic bravourös.
Cleaning
Was bei den Auto-Tunern als „gecleant“ bezeichnet wird, ist bei uns Drachenfreaks die Vermeidung jeglicher Überstände, an denen sich die Flugschnüre unbeabsichtigt verfangen könnten. Deshalb gilt bei jedem Drachentest einer unserer ersten Blicke immer der Drachennase, an der jede noch so kleine hervorstehende Ecke im Backspin sofort zum Leinenfänger wird. Beim Atomic ist hier alles bestens geglättet. Der nächste Kontrollblick richtet sich auf die Flügelspitzen, an denen die Leitkante gespannt wird. Auch an dieser Stelle sollten keine großen Knoten oder sonstigen Überstände vorhanden sein, da man sonst beim Einüben der ersten Axels immer wieder hängenbleiben wird und nur durch den „walk of shame“, den schmachvollen Gang zum Drachen, wieder weiterfliegen kann. Auch an dieser Stelle hat man bei Invento hervorragend gearbeitet und sehr saubere Arbeit abgeliefert. Dass die Spreizverbinder des Atomic nicht abgedeckt und keine Yo-Yo-Stopper montiert sind, ist mit Blick auf die anvisierte Zielgruppe kein Problem. Wer im Freestyle-Fliegen so weit fortgeschritten ist, dass er ohne Yo-Yo nicht leben kann, der wird auch in der Lage sein, den Atomic nach seinen Bedürfnissen zu pimpen.
Fränkischer Leichtwind
Als wir den Atomic im Frühling zum Test erhielten, war die Küste weit weg – und der Wind ebenso. Der April in Franken war geprägt von lauen Lüftchen und viel Sonnenschein. Dennoch hatte ich keine Lust, den Atomic in der Drachentasche schmoren zu lassen, da ich schlicht und einfach neugierig war, wie sich dieser hübsche Kite an den Leinen anfühlt. Also wurde er bei etwa 10 Stundenkilometer (entspricht 2 Bft.) angeleint und an den Himmel gezogen. Natürlich konnte er da noch keinen Druck aufbauen und kein Temperament entwickeln; doch mit einer etwas flacher getrimmten Waage war er in der Lage zu zeigen, was er im Tricksegment so drauf hat. Leider muss an dieser Stelle angemerkt werden, dass die Waage von Haus aus keinerlei Schnellverstellmöglichkeit besitzt. Eine Knötchenleiter wäre gerade für Ein- und Aufsteiger sicherlich eine echte Hilfe. Doch zurück zum Fliegen!
Trainer
Alle Trickbasics gelingen mit dem Atomic leicht und locker, und auch anspruchsvollere Moves wie der bereits genannte Backspin, die Lazy Susan oder die Jacob’s Ladder sind kein Problem. Um diese schwierigeren Freestyle-Manöver zu vollführen, ist es sinnvoll, am Kielende des Atomic etwas Ballast – 15 bis 20 Gramm erscheinen optimal – anzubringen. Natürlich geht dieses zusätzliche Gewicht nochmals zulasten der Leichtwindperformance. Doch der Atomic ist eben ganz bewusst nicht für den Leichtwindbereich konzipiert. Also warten wir auf Wind!
Als es dann endlich einmal kräftiger bläst, bekommt der Atomic, der schon positiv überrascht hat, die Chance, alles zu zeigen, was er kann. Nun, bei böigem Wind zwischen 20 und 35 Kilometer pro Stunde wird der Atomic zugkräftig, flott und an seinen recht kurzen Leinen relativ fordernd. Da ich jemand bin, der aus dem Wettkampfbereich kommt, liebe ich lange Leinen. Also das mitgelieferte Lenkset aufgewickelt und den Atomic an 38 Meter gehängt. Jau! Das ist es! Nun zieht er spurtreu durch das Windfenster und kommt recht knackig um die Ecken, wobei seine weichen Leitkanten natürlich ein bisschen nachwackeln. Auf der Kreisbahn fliegt er ebenso sicher wie er ohne nennenswertes Überdrehen aus engen Spins in den Geradeausflug übergeht. Schön ist die Tatsache, dass Axels, Flic Flacs, Fades und vor allen Dingen Lazy Susans immer noch viel Spaß machen. Die Fluggeschwindigkeit des Atomic ist dabei stets flott, doch keinesfalls jenseits des Kontrollierbaren.
Preis-Leistungs-Verhältnis
So ist der Atomic in der Tat ein Allrounder: ein Drachen, der vieles kann. Natürlich ist ein Allrounder kein Freestyler, kein Powerkite und kein auf Speed getrimmter Flitzer. Aber ambitionierte Einsteiger oder anspruchsvolle Aufsteiger können mit diesem Kite in alle Facetten des Lenkdrachenfliegens hineinschnuppern. In jedem Fall ist der Atomic ein Kite mit einem sensationellen Preis-Leistungs-Verhältnis. Für unter 80,- Euro erhält man einen Drachen, der sich schon sehr groß anfühlt, der solide verarbeitet ist und mit dem richtig viel geht.






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