Geister der Freude – Rainer Hoffmanns Amulet
von Redaktion • 19.4.2010 • Kategorie: Einleiner • KITE & friends bestellen!
Glück sollen diese Dinger bringen. Und magische Kräfte werden diesen Gegenständen auch noch zugesprochen. Doch damit nicht genug. Aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet die Sache nichts anderes als „Kraftspender“. Die Rede ist von einem Amulett, im amerikanischen auch „Amulet“. Aber nicht so voreilig. Glücksbringer, Magie und Kraftspender sind Beschreibungen, die man auch bei einem Drachen anwenden kann. Warum also nicht die beiden Begriffe zusammenführen und einen Drachen namens „Amulet“ an den Himmel setzen?

Der eigentliche Körper misst mit gut einem Meter nur ein Sechstel der Gesamtlänge

Rainer Hoffmanns Drachen schwingen in Wellen im Wind

Saubere Verarbeitung der Details

Querstab in Dacrontaschen und Spannschnur auf der Segelrückseite

An der Nase wird der Längsstab gespannt

Durchführung der Waage

Auch die Streifen am Schwanzende sind solide mit schwarzem Nahtband umsäumt


Das muss sich auch Rainer Hoffmann aus Husum gedacht haben, als er seine Amulet-Serie entwickelt hat. Drei Drachen hat er seinerzeit entworfen, zwei Muster sind dann in die Serie eingeflossen und als Amulet 1 und Amulet 2 durch die in Rastede ansässige Firma Invento auf den Markt gebracht worden.
KITE & friends hatte die Gelegenheit, mit Rainer über den Drachen zu sprechen, und der sympathische Drachenbauer aus dem Norden Deutschlands berichtete gerne über die Entstehungsgeschichte seiner Kreation. „Die wellenförmige Bewegung des länglichen Drachenkörpers hat mich fasziniert, diese gleitende Bewegung am Himmel. Das war der Auslöser, um einen solchen Drachen zu bauen. Dann folgte die Herausforderung, ein Design – ein Motiv – zu finden. So landete ich nach langer Suche bei den Figuren. Am besten nicht nur eine, sondern mehrere. Möglichst farbig sollten diese auch ausfallen, mit schwarzem Saumband abgesetzt, um die farbliche Wirkung noch zu verstärken.
Damit umschreibt Hofmann eigentlich schon ziemlich genau, auf was es uns bei den Drachentests ankommt. Neben der Qualität des Drachens wird besonderes Augenmerk auf den Aufbau der Konstruktion und deren Wirkung auf den Betrachter gerichtet.
Ran!
Also rein ins Vergnügen und ran an den Drachen! Oder besser gesagt, ran an die Drachen, denn bei Invento hat man die Qual der Wahl zwischen zwei Amulet-Kites. Die Namen Amulet 1 und Amulet 2 zeugen dabei von norddeutscher Zurückhaltung, sagen sie doch wenig über den Inhalt der schwarzen, kräftigen Drachentasche aus, die da vor einem liegt. In besagter Drachentasche befindet sich der jeweilige Drachen sowie ein kleiner Flyer. Dieser gibt den Drachenfreunden in Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch die erforderlichen Sicherheitshinweise an die Hand. Zudem werden anhand von Piktogrammen der Aufbau des Drachens sowie die Handgriffe erklärt, welche zur Fertigung eines Buchtknotens nötig sind. So gerüstet können wir an den Drachen gehen. Dieser wurde aus Polyestertuch gefertigt und besteht aus einem 3- und 5-Millimeter-Fiberglas-Gestängemix. Das Segel selbst wurde in der aufwändigen Applikationstechnik gefertigt. Dies bedeutet, dass auf dem schwarzen Grundsegel jedes Farbpaneel einzeln aufgenäht wurde. Invento hat hierfür einen einfachen, eng beieinanderliegenden Zickzackstich verwendet. Nach dem Aufnähen wurde überschüssiges Spinnaker von der Rückseite her entfernt. Gut gefallen hat uns dabei, dass die Nähabteilung von Invento auf Kett und Schuss geachtet hat. Zudem fällt auf, dass die gesamte Applikation sehr sorgfältig ausgeführt wurde. Wenn wir uns an dieser Stelle etwas wünschen dürfen, so wäre es ein wenig mehr Überstand zwischen Naht und Schnitt. Umschlossen wird der Drachen mit einer einfachen Kappnaht; die kleinen Drachenschwänze am Ende des Drachens wurden zudem mit Kantband versehen.
Details
Die Stabtaschen wiederum sind aus Dacron gefertigt. Mit einer Ausnahme. Während sowohl die Spreizstäbe des Hauptdrachens als auch die dünneren Spreizstäbe des Schwanzes in solchen Dacrontaschen stecken, wurde dem Längsstab nur an seinem unteren Ende eine solche Tasche spendiert. Am oberen Ende, das heißt am Drachenkopf, befindet sich eine Tasche aus Klettband, in die der Längsstab passgenau eingesetzt und anschließend festgespannt werden kann. Das Prinzip mit der Tasche aus Klettband ist ebenso gut wie effektiv. Jedoch wundern wir uns schon ein wenig über die Platzierung dieser Tasche. Umgekehrt, das heißt Dacrontasche am oberen Ende des Längsstabs und Kletttasche am unteren Ende, wäre es effektiver gewesen, denn bei einem eventuellen Absturz würden die auftretenden Kräfte dann einfach das Klettband öffnen, ohne weiteren Schaden anzurichten.
Der Amulet-Drachen verfügt über eine einfache Zweipunkt-Waage, wobei die Waageschnur um den Kreuzungspunkt von Querspreize und Längsstab herumgeführt wurde. Hierzu hat man mit einem Lötkolben jeweils ein Loch oberhalb und ein weiteres Loch unterhalb des Spreizstabs in die Dacronverstärkung gebrannt. Die Waageschnur wurde anschließend mit einem Arborknoten gesichert, der sich selbst schließt.
Insgesamt macht die Verarbeitung des Drachens einen guten Eindruck, die Applikationen wurden sauber ausgeführt, die einzelnen Segmente ohne Fehl und Tadel aufgebracht.
Aufbau
Wenden wir uns nun dem Aufbau des Drachens zu. Hoffmanns Aussage, wonach der Zusammenbau des Drachens möglichst schnell und einfach vonstattengehen soll, wurde konsequent in die Tat umgesetzt. Der Drachenfreund braucht die Längsstäbe nicht mehr in den Drachen einzusetzen, dies haben die Hersteller von Invento bereits erledigt. Und der Service geht noch weiter – auch die Vorspannung des Drachens ist bereits fix und fertig vorgenommen worden. Alles, was noch gemacht werden muss: den zweigeteilten Längsstab zusammensetzen und in die für ihn vorgesehenen Stabtaschen stecken. So ist ein Aufbau von unter einer Minute kein Problem und auf einen Helfer kann gänzlich verzichtet werden. Aufgebaut hat der Drachen eine Spannweite von 60 Zentimeter und die stolze Länge von 610 Zentimeter. Obwohl, um ehrlich zu sein beträgt die Länge des „Kerndrachens“ 108 Zentimeter und die restlichen 502 Zentimeter verteilen sich auf den Schwanz. Warum auch nicht, schließlich ist genau dies das Konzept des Drachens. Wie sagte Rainer Hoffmann am Anfang so schön: Er sei fasziniert von der wellenförmigen Bewegung des Drachens. Ob diese auch wirklich auftritt, zeigt der Gang auf die heimische Drachenwiese.
Welle machen!
Wie gesagt ist der Amulet-Drachen, dank der vorgespannten Querspreizen, in Windeseile aufgespannt – eine Anleitung hierfür wäre streng genommen gar nicht nötig. Das erste zaghafte Halten des Drachens in den Wind macht Lust auf mehr. Eine Drachenleine ist übrigens nicht im Lieferumfang enthalten, sodass zunächst einmal der Inhalt der eigenen Drachentasche herhalten muss. Mit einer 50- bis 60-Dekanewton-Leine ist man beim Amulet gut „bewaffnet“, bei leichterem Wind reicht auch eine 40er-Schnur aus. Mittels Buchtknoten wird die Drachenleine am Aufhängepunkt der Waage befestigt. Dieser Aufhängepunkt besteht aus einem einfachen Überhandknoten und ist daher recht fest eingestellt. Ein schnelles Verstellen und Eintrimmen des Drachens auf unterschiedliche Windbedingungen, wie dies beispielsweise bei einem eingeschlauften O-Ring der Fall wäre, ist hier leider nicht möglich. Es ist allerdings die Frage erlaubt, inwieweit der Drachen überhaupt auf unterschiedliche Bedingungen eingestellt werden muss; schließlich bringt der ultralange Schwanz eine gewisse Stabilität mit sich. Um es kurz zu machen – bei dem vom Hersteller empfohlenen Windbereich zwischen 14 und 34 Stundenkilometer hatten wir keine Probleme mit dem Drachen und mussten die Waage nicht nachstellen. Erst im oberen Windbereich und darüber hinaus wird der Drachen deutlich unruhig und verlangt die eingreifende Hand des Piloten. Im unteren bis mittleren Windbereich ist der Kite, auch im Binnenland, vollkommen unproblematisch und durchaus als anfängertauglich zu betrachten. Und die Optik? Ist da wirklich diese wellenförmige, gleitende Bewegung am Himmel zu erkennen, die Rainer Hoffmann so fasziniert? Diese Frage kann mit einem klaren, lauten „Ja“ beantwortet werden. Nun ist die Optik bekanntlich Geschmackssache und sollte daher nicht in einen Test einfließen, aber richtig gut gefallen haben uns zwei Dinge an Hoffmanns Amulet. Zum einen ist da in der Tat diese wellenförmige Bewegung, die am Drachenkopf startet und sich dann durch den ganzen Schwanz hindurch bis zu dessen Ende fortsetzt. Der Amulet steht also nicht statisch in der Luft, sondern füllt den Luftraum mit seiner Bewegung aus. Zum anderen werden die farbigen Paneele durch die schwarz umrandeten Zonen noch in ihrer Wirkung verstärkt und zaubern ein Feuerwerk aus Farben an den Himmel. Just dieses Feuerwerk, verbunden mit der eleganten, wellenförmigen Bewegung, macht den Reiz der Amulet-Drachen aus.
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